Death Cab for Cutie ist eine Band für Kopf-Nicker und Fuß-Wipper. So zeigte sich jedenfalls gestern Abend das Publikum  im Bielefelder Ringlokschuppen. Das mag für manchen Tanzwütigen eine Schande gewesen sein, ergab für mich aber im Zusammenspiel mit der Band ein recht harmonisches Bild. Die Jungs selber schienen nämlich auch eher einen netten Abend mit schöner Musik anzustreben als das pure Entertainment.

Nachdem also die uninteressante Vorband “Frightened Rabbit” (klingen wie “Train” und Konsorten) die Bühne räumte, begann das Konzert mit Bixby Canyon Bridge. Das kam mir persönlich sehr entgegen, da ich bereits den ganzen Tag einen Ohrwurm von dem Song hatte.

And then it started getting dark.
I truged back to where the car was parked
No closer to any kind of truth
As I assume was the case with you

Es dauerte allerdings ein paar Sekunden bis ich mich an den Anblick Ben Gibbards gewöhnt hatte, der erstaunlich dünn, brillenlos und langhaarig war. Trotz dieser überraschenden Veränderung, seine Stimme ist immer noch die gleiche. Und die erkenne ich wohl sogar im Schlaf (so wie den Klingelton meiner Mitbewohnerin, den ich grundsätzlich vor ihr wahrnehme), bin ich doch so unglaublich verliebt in sie.

Bis zur offiziellen Begrüßung folgten nach Bixby Canyon Bridge noch drei weitere Lieder. Dann warf Ben ein knappes “Hey, we’re Death Cab for Cutie from Seattle. Thanks for coming” in den Raum und begann direkt mit dem nächsten Lied. Insgesamt herrschte ein ziemlich ausgewogenes Verhältnis zwischen Songs der “neuen” Narrow Stairs, sowie alten Songs wie Company Calls Epilogue

You were the one but i can’t spit it out when the date’s been set.
The white routine to be ingested inaccurately

A Moviescript Ending

Whenever I come back, the air on railroad is making the same sounds.
And the shop fronts on holly are dirty words (asterisks in for the vowels).
We peered through the windows… new bottoms on barstools but the people remain the same, with prices inflating.

und einigen Stücken der letzten beiden Platten.

Absolute Höhepunkte im Hauptteil für mich waren unter anderem No sunlight und Grapevine Fires (die übrigens für mich in meinen Gedanken immer zusammen gehören, als wäre das eine die Folge des anderen), bei denen die Stimmung der Lieder - besonders bei Grapevine Fires - unglaublich eindrücklich rüberkam.

But I couldn’t think of anywhere I would have rather been
To watch it all burn away.

Die beiden netten jungen Männer am Mischpult haben gerade bei den Songs volle Arbeit geleistet. Begeistert hat mich auch Long Division, vor allem das Schlagzeug, das mich nachts noch in meine Träume verfolgte.

And they carried on like long division
And it was clear with every page
That they were further away from a solution that would play
without a remainder

Nach einer wortkargen Stunde, tauten Ben und Bassist Nick Harmer zur Zugabe kurzzeitig auf und rissen sogar kleine Witzchen, bevor sie mit den 4 letzten Liedern des Abends begannen, die da waren: Your Bruise, Title and Registration, Expo ‘86 und, natürlich, Transatlanticism (quasi der Soundtrack zu diesem meinem wunderschönen Blog ;) ).

Und so gingen 1 1/2 Stunden, in denen ich nicht aufhören konnte zu grinsen wie ein pubertäres kleines Mädchen (von denen übrigens relativ wenige da waren). Ich kann mir durchaus vorstellen, dass einigen die Verbindung zwischen Band und Publikum fehlte, aber ich für meinen Teil habe mich sehr wohl gefühlt. Vielleicht ist mein Vorteil aber auch, dass ich meine Musik auch lieber introvertiert genieße und somit gerade gut in das Konzept der Band passte. Vielleicht bin ich aber auch wirklich wie ein verknallter Teenie und total verblendet und kritiklos. Eine Band, die es schafft einen in diesen Zustand zu versetzen, sollte man sich aber wohl auch gut in seinem Herzen bewahren.