Fr 29 Aug 2008
Profillose Jugend
Posted by somuchcloser under .
Aus Zeitmangel möchte ich nur mal kurz diesen Artikel und das dazugehörige Video zur Diskussion stellen. Liebe Leser, der Großteil von euch gehört auch dieser Generation an. Fühlt ihr euch angesprochen?
Ich verspreche, morgen werde ich auch nochmal was dazu beitragen, aber bis dahin hoffe ich auf eure Gedanken ![]()
August 30th, 2008 at 9:42 am
Es ist ja eine Polemik, d.h. Jens Jessen übertreibt erstmal deftig, um auf ein Problem, das er sieht, aufmerksam zu machen. Vor zwei Wochen in der Campus-Ausgabe war allerdings zu lesen, dass es jungen Menschen nicht nur um Karriere geht (wie einer behauptete), sondern dass “alte” Werte, Sinn für Familie, Gerechtigkeit etc. mindestens genauso hoch im Kurs stehen. Das finde ich grundsätzlich erstmal gut, weil es mir selbst auch so geht. Profillosigkeit und Charakterlosigkeit stimmt daher erstmal so nicht. Man sehe sich doch nur mal die große globalisierungskritische Bewegung an (an G8-Gipfeln u.a. Konferenzen). Die wird zum allergrößten Teil von jungen Leuten getragen. Es gibt sicherlich solche und solche Menschen, die Verallgemeinerung einer ganzen Generation ist aber wohl auch zu Herrn Jessens Jugend schon ein Fehler gewesen.
August 31st, 2008 at 11:08 am
so, etwas verspätet, aber besser als gar nicht.
dass es sich hier im polemik handelt, ist wohl klar, und wird meiner meinung nach ja auch schon im text als solche gehandelt; das ganze ist ja als provokation gedacht.
auch in den anderen punkten sind wir wohl einer meinung. was ich durchaus in meinem bekanntenkreis und natürlich auch bei mir registriere, ist eine gewisse orientierungslosigkeit was die zukunft betrifft, gerade die berufliche. das ist aber wohl ein punkt, der einfach sehr generationstypisch ist und das auch schon eine lange zeit.
was im interview ja ebenfalls angesprochen wird, ist die zunehmende komplexität der gesellschaft und das verschwinden klarer feindbilder. das seh ich auch so. vereinfacht gesagt habe ich das gefühl, dass man zb bei der 68er-generation zwischen gut, die linken, und böse, die rechten, entscheiden konnten. heute sind sowohl links als rechts die bösen, und alles was dazwischen liegt eine unglaublich heterogene masse.
dass sich “unsere” generation allerdings nicht engagiert, kann ich auch nicht unterschreiben. ehrenamtliche tätigkeiten sind in meinem freundeskreis alles andere als eine seltenheit und auch die orientierung an familiären werten wird immer wichtiger.
ich denke, dass die mittel und wege unserer generation einfach ganz andere sind als die früherer generation. davon mal ganz abgesehen gab es schon immer die eher aktiven und die passiveren vertreter einer generation. auch 68 ist nicht jeder mit auf die straße gegangen.
August 31st, 2008 at 8:53 pm
Ich glaube nicht, dass der Hr. Jessen übertreibt, zuspitzt. Ich vermute, in Anbetracht seiner Texte und Glossen und Einwürfe in den letzten Jahren: er tickt so.
Sein vorwurfsvoller Text sagt eigentlich mehr über ihn aus, über seine unerfüllten Wünsche, seine Sehnsüchte und Visionen von einer besseren Gesellschaft usw. als über die Jugend heute, falls es eine homogene Jugend überhaupt gibt. Jessen ist ein “Lagerkind”, seine Jugend war in der Zeit des kalten Krieges, in einer Zeit mit klareren ideologischen Fronten.
Vorwürfe dieser Art an die Jugend “von heute” gab es in der Geschichte doch immer, und wird es immer geben. (Meine Großeltern waren ratlos ob meiner Elterngeneration, meine Eltern…) Es sind ein großer Anteil Projektionen dabei, man wünscht sich, die Kinder / Enkel sollen’s besser machen, das vollenden, was man selber nicht schaffte.
Ich glaube, Jessen verkennt, wie alle Meckerer vor ihm, dass eine andere Zeit andere Herausforderungen mit sich bringt. Zu seiner Zeit war es cool, so lange es ging an der Uni ‘rumzuhängen, alles Möglich zu tun, nur nicht, dem “Schweinesystem” zu dienen. Ein Leben in Konfrontation mit dem System war in - irgendwann wurde man dann schon aufgefangen, man kam ja eigentlich aus gutem Hause…
Ich habe keine Ahnung, was heute das richtige Verhalten sein soll für die Jugend. Ganz sicher ist es nicht das, die alten Kämpfe weiter zu kämpfen. Vielleicht ist es schon sehr viel, zu wissen, was man will, dieses Ziel zu verfolgen. In Zeiten der Unübersichtlichkeit, der Beliebigkeit, der Eitelkeiten auch, ist es schon ‘mal was, sich entschieden zu haben.
Letztens wurde auch so eine Allensbach-Studie durch die Medien getrieben, derzufolge die Jugend sich nicht mehr für die Themen interessiere, die angeblich unsere Gesellschaft konstituieren. Und sich nicht mehr hauptsächlich aus den Mainstream-Medien informiere. - Vielleicht sind einem, und das ist nicht wirklich altersspezifisch, die herrschaftlich geführten Diskurse, das Broadcasting ohne Rückkanal, das Bevormunden einfach nur zuwider?! Tageschau / Tagesthemen ist nicht Gott. Gott ist tot.
Die Werte wandeln sich, na und, das ist gut, das ist Fortschritt. Die Zukunft ist spannend, risikovoll, schnell. Und die Jugend ist vermutlich politischer, als man, als Jessen denkt.
September 1st, 2008 at 9:07 am
ja, so seh ich das auch. das schimpfen auf die jugend gehört scheinbar zum guten ton jeder älteren generation.
über das ergebnis der allensbachstudie bin ich etwas verwundert, denn ich hab im kopf in letzter zeit öfter mal gelesen zu haben, dass das interesse an gesellschaftlichen themen in der jugend größer ist als vermutet. allerdings hab ich dafür keine quelle mehr, vielleicht entspringt das auch meiner phantasie, so als wunschdenken. denn auch wenn tagesschau und tagesthemen nicht gott sind, so wäre es schon wünschenswert, dass “die” jugend sich wenigstens anderweitig informiert. aber ich hab ja auch keine ahnung, was da als mainstream-medien betrachtet wird.
aber alles in allem ist “meine” jugend wohl wie die meisten davor auch. keine homogene gruppe, sondern ein durcheinander von interessen, gesinnungen und motivationen. bleibt zu hoffen, dass man sich daran erinnert, wenn man zur älteren generation gehört.
September 2nd, 2008 at 8:17 am
Bei den Studien kommt’s sicher auch auf die Fragestellung an.
Ich bin ein einziges Mal in einer Telefonumfrage zu Parteien und Programmen angerufen worden. Die Fragen waren so platt, so schematisch, ich konnte bei keiner Option Zustimmung signalisieren.
Oder Medien: ich informiere mich ganz sicher nicht aus dem Fernsehen, das ist mir offensichtlich zu manipulativ.
Usw., manche Studie schlussfolgert dann vielleicht, ich sei an politischen Themen nicht interessiert. Oder, die selbe Schlussfolgerung, wenn die Jugend nicht in die Parteien strömt, sondern sich eher informell engagiert.
Es ist die Borniertheit der Handelnden, die sie nicht erkennen lässt, dass sich vielleicht nur die Art der Wahrnehmung und Teilhabe, die Kanäle von Information und Kommunikation ändern - und nicht die Werte verfallen. Und, abgedroschen zwar die Phrase, aber da ist etwas dran: das Private ist Politisch, und umgekehrt.
September 2nd, 2008 at 9:47 pm
ja, die sichtweise ist wohl leider häufig zu einseitig. und mein dozent kann wohl noch so oft predigen, dass forschung immer offen in der fragestellung sein muss, gelingen tut dies bei weitem nicht in allen fällen.