Wie wohl jeder Student weiß, sind Seminare, die nur aus Referaten bestehen, immer eine zwiespältige Sache. Gut für die Referenten, denn für relativ wenig Arbeitsaufwand hat man relativ schnell und unkompliziert seine Prüfungsleistung vollbracht. Weniger gut für die Zuhörer, denn bei den meisten Referaten hört man den geringen Aufwand.

Die liebe Technik ist meistens schon vor Vortragsbeginn ein Problem, das es zu überwinden gilt. Nicht funktionierende Beamer, die Unfähigkeit mit gewissen Programmen umzugehen und das Fehlen diverser technischer Möglichkeiten scheinen viele Studenten vor ein unlösbares Problem zu stellen. Was waren das noch für Zeiten, als man einfach schnöde Folien von Hand beschrieben hat und das einzige Problem war, diese richtig rum auf den Projektor zu legen und die richtige Schärfe einzustellen. Zu der finsteren Overhead-Projektor-Ära muss es allerdings auch an guten Ausreden gemangelt haben. Meine bisherige Lieblingsausrede aus diesem Semester: “Mein Bruder hat mir meinen Laptop heute morgen geklaut!”. Zusätzlich dazu hatte der Dozent dem armen Mädchen auch nur den halben Text, der Grundlage des Referats war, kopiert. Wenn das keine erschwerten Bedingungen sind. Da kann wohl jeder verstehen, dass sie 40 Minuten lang ablesen musste.

Eine Frage, die sich mir in letzter Zeit auch immer öfter stellt, ist: Wie sehr wird man innerhalb seines Studienganges noch sozialisiert? Werden alle Sozialarbeiter dazu gezwungen verständnisvoll zu nicken und dabei zu lächeln? Und werden angehende Grundschullehrerinnen tatsächlich zu sogenannten Bastelschlampen erzogen?
Ein Referat in der letzten Woche legt diese Vermutung zumindest nah. Nachdem sie uns zur Einstimmung ein kleines Anspiel vorbereitet hatten, ging es direkt munter weiter mit einer quietschend bunten Präsentation, die durch lustige selbstgeschossene Fotos im Stil einer Bravo-Fotolovestory aufgelockert wurde. Zur Orientierung diente ein Plakat mit Gliederung, ebenfalls schön bunt, an das ein selbstgebastelter Pfeil gehängt wurde, der bei jedem neuen Punkt didaktisch wertvoll versetzt wurde.
Alles in allem war es eine amüsante Performance, besonders für einen Montagmorgen. Über inhaltliche Schwächen, wie das Fehlen wissenschaftlich fundierter Aussagen, sehe ich natürlich gerne hinweg, denn auch wenn ich jetzt immer noch keine Ahnung habe, was genau die Soziologie zu Lebensstilen sagt, kann ich jetzt mit großer Wahrscheinlichkeit eine Werbekampagne für diverse Urlauber starten.

Bevor ich damit anfange, werde ich mich jetzt aber erstmal sportlich betätigen. Ich hoffe ihr hattet einen angenehmen Wochenstart.