… so sagt man sich. Von Gras über die Sache wachsen lassen wird gesprochen. Kommt Zeit, kommt Rat. Doch ist das wirklich wahr? Werden alle Wunden von der Zeit geheilt? Was ist mit denen, bei denen eine hässliche Narbe zurück bleibt? Was ist mit den Wetterfühligen, die bei der kleinsten Veränderung des Klimas schmerzhaft das Gesicht verziehen? Gibt es Wunden, die niemals ganz verheilen?

Da sind die Narben, für die wohl jeder Verständnis hat. Die, die uns täglich in den Nachrichten begegnen und in der Realität der meisten von uns Gott sei Dank keine direkte Rolle spielen.

Und da sind die alltäglichen Wunden. Die, über die man nach ner gewissen Zeit hinweg kommen sollte. Für manche sind es kleine Niederlagen und Enttäuschungen, die sich immer zu wiederholen scheinen. Für manche ist es eine berufliche Niederlage. Für manche ist es eine Liebe, die sie nie so ganz überwunden haben. Für manche ist eine Verletzung, die sie selbst jemandem zugefügt haben.

Fakt ist, dass es anscheinend Menschen gibt deren Selbstheilungsprozesse besser funktionieren als die der anderen. Fakt ist, dass manche Wunden erst höllisch Schmerzen müssen, um überhaupt heilen zu können. Fakt ist, dass Verdrängung den Heilungsprozess häufig eher behindert als verbessert. Fakt ist aber auch, dass wohl niemand diese Welt ohne Narben verlässt.

Das ist kein großer Trost für alle Verwundeten. Der einzige Trost, den ich habe, ist, dass man, wenn man es zulässt, aus allen Wunden etwas lernen kann. In diesem Fall wirklich ein Lernen fürs Leben.