Musik ist schon eine seltsame Sache. Manche Melodien zaubern uns auch an noch so finsteren Tagen ein Lächeln ins Gesicht, andere lassen einen urplötzlich ins Reich der Melancholie abdriften, manche wecken sogar spontane Aggressionen. Ein kluger Mensch, dessen Name mir leider entfallen ist, hat einmal behauptet, dass die Popmusik die Elemente Sprache und Akkustik so geschickt miteinander vereint, dass es ihr gelingt viel intensivere Emotionen hervorzurufen. Vermutlich eine sehr gewagte These; Klassikfans und Poeten werden sich vermutlich gleichermaßen dagegen wehren. Ich bin aber weder Musiker, noch Schriftsteller, sondern vielmehr ein Laie, und in meinen Augen ist in dieser Aussage durchaus ein wahrer Kern zu finden. Musik beeinflusst meine Emotionen, und zwar gleichermaßen durch Melodien und Texte.
Darüber hinaus ist sie auch untrennbar verbunden mit bestimmten Erinnerungen.
Vor kurzem war ich einkaufen in einem dieser Konsumtempel, in denen man freundlicherweise auch noch immer mit dem Einkaufsradio beschallt wird. Kurz bevor ich an der Kasse war, musste ich plötzlich innehalten, da eine Erinnerung mich völlig unvorbereitet und mit voller Wucht traf. Und das nur weil im Hintergrund eine Katie Melua vor sich hinleierte:

This is the closest thing to crazy
I have ever known
I was never crazy
On my own.

Ich bin kein Katie Melua-Fan, und vielleicht ist dieses Lied auch gerade deswegen so sehr mit dieser Erinnerung und dieser Person verbunden, weil ich es sonst nur sehr selten höre. Mich hat es aber so sehr überrascht, dass ich in den nächsten Tag oft darüber nachdenken musste, und feststellte, dass das kein Einzelfall ist. Viele Lieder sind bei mir mit konkreten Situationen oder Personen verbunden.
Wonderful tonight von Eric Clapton wird mich wohl immer an meinen Vater erinnern. Meine Mutter wird mich dafür vielleicht auslachen, aber in meiner Erinnerung hat er das unglaublich oft gespielt, so dass ich schon bei den ersten Tönen automatisch an ihn denke.

And then i tell her
As I turn off the light
I say: My darling
You were wonderful tonight.

 

Bei Brighter than sunshine von Aqualung werde ich wohl immer an meinen ersten Sommer in Kassel denken müssen, und ganz speziell an eins meiner Kassel-Mädels.

Love will remain a mystery
But give me your hand and you will see
Your heart is keeping time with me .

 

Ich könnte vermutlich noch ewig so weiter machen. Stattdessen mache ich hier aber einen Punkt und frage euch: Wie sieht es aus, welche Lieder lassen euer Gedächtnis auf Hochtouren laufen? Wobei entstehen direkt Bilder in eurem Kopf?